Pressebericht
WAZ Lokalredaktion Essen vom 7. Juni 2010
Die singende Kulturhauptstadt
Tausende machten mit beim "Day of Song". Sängerkreis-Vorsitzender: "Von Chorsterben kann keine Rede sein"
Inga Pöting
Auf Plätzen, in Kirchen, auf Bühnen, sogar im Zug - sie sangen überall.
Mehrere zehntausend Bürger in Essen haben am Wochenende bei der
Kulturhauptstadt-Aktion "Day of Song" ("Tag des Liedes") mitgemacht -
dichtgedrängt standen die Menschen am Samstagnachmittag nicht nur auf
dem Burgplatz in der Innenstadt. Etwa 10.000 waren es dort und stimmten,
wie überall, erst das "Steigerlied" an und später noch Grönemeyers
"Komm zur Ruhr", der Kulturhauptstadt-Hymne. Alle gut gelaunt. Sie
sangen in den Stadtteilen (siehe unten), sie sangen im Grugapark: Dort
standen im Musikpavillon 23 Chöre auf der Bühne.
Das Atmen der Seele
Ein Sprichwort sagt, das Singen sei das Atmen der Seele. "Wenn das stimmt, dann sind die Chöre heute der Pulsschlag des Ruhrgebiets", sagt Klaus Springenberg vom Essener Sängerkreis.
Im Grugapark zu sehen waren ab 11 Uhr sowohl Männer- und Frauenchöre, gemischte Gruppen und ein Kinderchor. Insgesamt standen mehr als 600 Sänger auf der Bühne, von traditioneller Volksmusik über Gospel bis hin Musical-Interpretationen waren alle Musikrichtungen vertreten. "Das vielschichtige Programm zeigte einen Querschnitt durch die gesamte Chormusik der Laiensänger in Essen", meint Springenberg.
Eine sinkende Begeisterung für klassische Chormusik kann er trotz der
gewachsenen Bedeutung von Popmusik und TV-Castingshows nicht feststellen:
"Vom Chor-Sterben kann keine Rede sein". Im vergangenen Jahrzehnt sei die
Anzahl der Chöre im Sängerkreis sogar von rund 50 auf 70 gestiegen. "Wir
sehen uns in der Pflicht, gute Chorliteratur zu pflegen und verschiedene
Bereiche anzubieten", erklärt Springenberg. Über zu wenige
Auftrittsmöglichkeiten für die Chöre könne er sich ebenfalls nicht
beklagen. Dass sich immer noch so viele Menschen jeden Alter für den
Chorgesang begeistern, erklärt sich die Pressereferentin Astrid Hinzke
dadurch, das Singen einfach ein gutes Gefühl schafft: "Singen verbindet
und geht ins Herz. Es ist egal, was man singt. Hauptsache, es wird gesungen!"
In diesem Sinne lief das Programm im Musikpavillon ohne Mittagspause bis 17 Uhr.
Das Publikum klatschte bei allen Chören begeistert mit und war auch mutig genug,
bei bekannten Stücken einzustimmen. "Natürlich haben wir um 12.10 Uhr auch das
Steigerlied mitgesungen", erklärt Zuschauerin Ute Rüken. Sie ist mit ihrem Mann
Herbert gekommen, um sich die Chöre anzusehen. Besonders der Heisinger
Kinderchor "Die Rattenfänger" sowie der Seemannschor "Blaue Jungs" habe
ihnen gut gefallen. "Außerdem ist das Wetter toll, überall blühen die Blumen,
einfach alles stimmt" freut sich die 66-jährige Altendorferin. Leonie (7)
singt selbst in einem Kinderchor. Sie ist mit ihren Eltern und ihrem Bruder
aus Velbert gekommen, um den Tag im Park zu verbringen. "Wir sind zufällig
auf das Chorprogramm gestoßen und können nun das Wetter und die Musik
genießen", sagt ihr Vater Oliver Entres.
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